NORMEN

ISO 6194 – Normierung von Radial-Wellendichtringen

Symbolbild für Radial-Wellendichtringe (Simmerringe) nach ISO 6194.

ISO 6194 normiert Radial-Wellendichtringe (umgangssprachlich Simmerringe) für rotierende Wellen. Die Norm legt Einbaumaße, Toleranzen und Bezeichnungssysteme fest — Basis für die weltweite Austauschbarkeit von Wellendichtringen.

Aktualisiert 10. Juli 2026
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Was ist ISO 6194?

ISO 6194 ist die internationale Norm für Radial-Wellendichtringe — im Deutschen häufig als Simmerringe oder Wellendichtringe bezeichnet. Die Norm legt Einbaumaße, Toleranzklassen, Bauformen und Bezeichnungssysteme für Radial-Wellendichtringe fest.

Was ein Radial-Wellendichtring macht:

Ein Radial-Wellendichtring dichtet die Durchführung einer rotierenden Welle durch eine Bohrung (Gehäuse) nach außen ab. Gleichzeitig verhindert er das Eindringen von Verschmutzungen von außen in das Gehäuse.

Aufbau eines Radial-Wellendichtrings:

  • Dichtlippe: Flexibles Elastomer (NBR, FKM) liegt an der Welle an
  • Spannfeder: Hält die Dichtlippe unter definierten Anpressdruck an der Welle
  • Versteifungsring: Metallring gibt dem Dichtring seine Form und sichert den Presssitz im Gehäuse
  • Staublippe (optional): Zweite Lippe schützt vor äußerem Schmutz

Was ISO 6194 normiert:

  • Nennmaße (Wellendurchmesser, Außendurchmesser, Breite)
  • Maßtoleranzen für Welle und Bohrung
  • Bauformen (A = ohne Staublippe, B = mit Staublippe, C = ohne Metallring)
  • Kennzeichnungsregeln
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Bauformen und Werkstoffe nach ISO 6194

Bauform
Ausführung
Einsatz
Typ A
Metallversteifter Ring, eine Dichtlippe, ohne Staublippe
Getriebeöl, Motorenöl, allgemeine Anwendungen
Typ B
Metallversteifter Ring, eine Dichtlippe, mit Staublippe
Staubige oder verschmutzte Umgebungen, Fahrzeuge, Baumaschinen
PTFE-Lippe

PTFE-Wellendichtringe: Für hohe Temperaturen, aggressive Medien und Trockenlauf; je nach Bauart mit oder ohne Spannfeder.

Trockenlauf, chemisch belastete Medien, hohe Wellenrauigkeiten

Was HP-Dichtungen zu ISO 6194 liefert

  • NBR-Wellendichtringe für Öl und Kraftstoff

    NBR-Wellendichtringe nach ISO 6194 — Standardlösung für mineralölbasierte Medien kurzfristig bis ca. 120 °C.

  • FKM-Wellendichtringe für hohe Temperaturen

    FKM-Wellendichtringe für Betriebstemperaturen bis 200 °C und bei chemischen Medien, die NBR angreifen.

  • PTFE-Wellendichtringe für Spezialanwendungen

    PTFE-Wellendichtringe für chemisch aggressive Medien, trockene Wellenanwendungen oder extrem glatte Wellen.

  • Alle Nennmaße nach ISO 6194

    Wellendurchmesser 6 mm bis 500 mm nach ISO 6194 — aus Lager oder kurzfristig beschaffbar.

Für welche Anwendungen gilt ISO 6194?

  • Getriebe und Motoren: Dichtung der Antriebswellen und Nockenwellen
  • Hydraulikzylinder: Abdichtung der Kolbenstange (radiale Variante)
  • Pumpen und Kompressoren: Wellendurchführung durch das Pumpengehäuse
  • Elektromotoren: Dichtung der Motorwellen gegen Fett und Schmutz
  • Fahrzeugbau: Vorder- und Hinterachsen, Getriebeausgänge

Häufige Fragen zu ISO 6194

Was ist der Unterschied zwischen ISO 6194 und DIN 3760?

Beide Normen beschreiben Radial-Wellendichtringe. DIN 3760 ist die ältere deutsche Norm, ISO 6194 die internationale Norm. In der Praxis sind die Maßreihen weitgehend harmonisiert — die meisten nach DIN 3760 gefertigten Wellendichtringe entsprechen auch ISO 6194. Beide Normen werden parallel verwendet.

Welcher Werkstoff für welche Betriebstemperatur?

NBR: bis ca. 100–120 °C. FKM: bis ca. 180–200 °C. PTFE: bis ca. 200–250 °C, ohne Temperaturbegrenzung durch Sprungfeder. Die tatsächliche Grenze hängt auch vom Medium, der Wellendrehzahl und der Reibungswärme ab.

Muss die Welle poliert sein für Wellendichtringe?

Ja. ISO 6194 empfiehlt definierte Oberflächenrauigkeiten (Ra und Rz) und Fertigungsverfahren für die Lauffläche. Zu raue Wellen zerstören die Dichtlippe vorzeitig, zu glatte Wellen können Drainageprobleme erzeugen.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen technischen Information und stellt keine verbindliche Auslegung der genannten Normen oder Standards dar. Verbindlich sind ausschließlich die jeweils gültigen Originalfassungen der entsprechenden Normen sowie die Anforderungen des jeweiligen Anwendungsfalls. Für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität der Inhalte wird keine Haftung übernommen.